Bitcoin hält sich nach einer turbulenten Woche, die den Preis kurzzeitig zum ersten Mal seit Mai unter die Sechsstellengrenze gedrückt hatte, bei rund 101.500 US-Dollar. In den vergangenen 24 Stunden blieb es ruhiger: BTC bewegte sich zwischen 100.000 und 103.000 US-Dollar, während sich die Derivatenhebelung zurücksetzte und die Spot-Ströme verbesserten.
ETF-Daten zeigten eine Wende nach sechs aufeinanderfolgenden Tagen mit Rücknahmen. US‑Spot‑Bitcoin‑ETFs verzeichneten am Donnerstag Nettozuflüsse von etwa 240 Millionen US-Dollar.
Ethereum‑ETFs fügten rund 12,5 Millionen US-Dollar hinzu, Solana‑ETFs etwa 29 Millionen US-Dollar. On‑Chain akkumulierten Großanleger in dieser Woche geschätzte 30.000 BTC – knapp 3 Milliarden US-Dollar –, während die Börsenbestände weiter zurückgingen. Analysten beschreiben die Stimmung als einen Wechsel von Panik hin zu strategischer Positionierung.

Makro-Hintergrund und Liquidität
Makroökonomische Signale bleiben gemischt. US‑Arbeitgeber kündigten im Oktober 153.074 Stellenstreichungen an – der höchste Oktoberwert seit 2003 – ein Hinweis auf Zurückhaltung in den Unternehmen.
Der anhaltende US‑Regierungsstillstand schränkt die Datentransparenz und die politische Planung ein. Nach der Zinssenkung im Oktober liegt die Marktwahrscheinlichkeit für einen weiteren Schritt im Dezember bei rund 60 %, doch die Kommunikation bleibt unsicher. Die Entspannung im US‑China‑Handelsverhältnis und wiederaufgenommene Repo‑Operationen der Fed verringerten in dieser Woche den Dollar‑Finanzierungsdruck, was das plattformübergreifende De‑Leveraging pausieren ließ.
Der Handel am Wochenende ist typischerweise durch geringere Liquidität und größere Spreads gekennzeichnet. ETF‑Erstellungen und ‑Rücknahmen pausieren, sodass sich die Spot‑Richtung oft an Offshore‑Derivaten, Asien‑Flüssen und Schlagzeilen orientiert. Das kann Bewegungen rund um psychologische Marken verstärken.
Rotation innerhalb des Kryptomarkts
Ströme deuten eher auf eine Rotation als auf einen breiten Ausstieg hin. Handelsdesks berichten, dass Fonds Altcoins abbauen und Positionen in Bitcoin und Ether aufbauen – ein Muster, das bei anhaltendem Trend die BTC‑Dominanz erhöhen könnte.
Ethereum handelt bei rund 3.340 US-Dollar, BNB bei 955 US-Dollar und Solana bei ungefähr 155 US-Dollar. Etwa 71 % des BTC‑Angebots befinden sich weiterhin im Gewinn – ein Zeichen dafür, dass Langzeitinhaber trotz kurzfristiger Schwäche nicht kapitulieren.
Technische Marken zum Wochenende
Der Preis eroberte nach einem Rückgang zur Wochenmitte auf 98.000 US-Dollar die psychologisch wichtige Marke von 100.000 US-Dollar zurück. Die 50‑Tage‑EMA liegt in der Nähe von 100.000 US-Dollar und dient seit September 2023 als Schlüsseldrehpunkt. Die 50‑Wochen‑SMA ist ein weiterer wichtiger Referenzpunkt, den viele Händler als entscheidende Trendlinie betrachten.
Unmittelbare Unterstützung liegt bei 100.000 und 98.000 US-Dollar. Ein klarer Bruch unter 98.000 könnte zu Zwangsverkäufen in der Zone zwischen 95.000 und 96.000 führen, wo frühere Liquidationscluster bestehen. Widerstände finden sich bei 103.000 bis 105.000 US-Dollar. Ein Tagesschluss über 105.000 würde die Dynamik verbessern und Raum bis 108.000 bis 110.000 US-Dollar eröffnen, wo zu Monatsbeginn erneut Angebot aufgetreten war.
Die Finanzierungsraten liegen nach der Liquidation vom 10. Oktober – sie löschte schätzungsweise 20 Milliarden US-Dollar an gehebelten Positionen aus – nahe dem neutralen Bereich. Wenn die Finanzierung positiv wird und das Open Interest in die dünnen Wochenendbücher steigt, können Bewegungen in beide Richtungen schneller ausfallen als erwartet.

Szenarien zur Betrachtung
Bleibt die Ruhe bestehen und führen Spot‑Ströme den Markt an, könnte sich der Kurs weiter oberhalb von 100.000 US-Dollar stabilisieren. Flache Rücksetzer würden von Walen und ETF‑Käufern zu Wochenbeginn aufgefangen werden. Dieses Szenario würde den Druck auf 103.000 bis 105.000 aufrechterhalten und einen allmählichen Wiederaufbau der bullischen Dynamik begünstigen.
Sollten jedoch Schlagzeilen oder Derivate den Preis unter 100.000 drücken, könnten Stopps unter 98.000 eine Beschleunigung durch Zonen geringerer Liquidität auslösen, bevor Käufer zurückkehren. Da ETF‑Desks am Wochenende inaktiv sind, könnten Erholungen langsamer verlaufen – es sei denn, asiatische Ströme unterstützen den Markt.
Worauf zu achten ist
Spot‑ETF‑Ströme, sobald die US‑Märkte wieder öffnen, Börsenbestände aus älteren Wallets, Finanzierung und Open Interest auf großen Plattformen sowie mögliche Hinweise von Fed‑Vertretern vor dem Dezember‑Treffen. Ein Wochenschluss oberhalb des 50‑Wochen‑Durchschnitts würde das Erholungsszenario stützen. Ein Schluss darunter würde den Fokus auf Defensive und Range‑Trading richten, bis sich die politische Lage klarer abzeichnet.
